Auf der Suche, Teil 2

Teil 1 endete mit einer Erkenntnis der Wirtin vom Gasthof zum heiligen Bimbam, dort unten in der Münstergruft: dass du in deiner Beiz besser mit legalen Drogen dealst als mit illegalen. Ist einfach das nachhaltigere Geschäftsmodell. Weil so hast du keine Probleme mit den Behörden.

Nur, da kommen jetzt eben die Wirtsleute ins Spiel, die in Branchenpublikationen Leitartikel schreiben. Die sehen das eher so: In letzter Zeit machen die Behörden sogar den gesetzestreuen DrogendealerInnen das Leben schwer, indem sie dauernd die Gesetze ändern.

Und kaum sind die Fumoirs gebaut, kommen jetzt diese Passivrauch-Extremistinnen und Gesundheits-Fanatiker von der Lungenliga mit ihrer Initiative und wollen sie verbieten. Natürlich ärgerlich: Fumoirs sind eine der letzten Bastionen der Freiheit! Bastionen der Freiheit zur Sucht! Und diese lustfeindlichen Klaratmer und Krebsverächterinnen wollen sie schleifen! Natürlich ärgerlich!

Leitartikel von Romeo Brodmann im GastroJournal Nr. 28 vom 12. Juli 2012 (Bild anklicken zum Vergrössern und Lesen)

Bald bleibt den Beizen wirklich nur noch, mit Alkohol zu dealen, wenn sie sich wie das sog. „Gemeinwesen“ auch weiterhin eine Scheibe vom Geschäft mit der Sucht abschneiden wollen. Und das wollen sie natürlich. Natürlich wollen sie das!

In diesem Zusammenhang auch lustig: im Gastgewerbegesetz des Kantons Bern steht (Art. 29): „Verboten sind die Abgabe und der Verkauf […] alkoholischer Getränke an Betrunkene“. Dieser Paragraph hat sich wohl im Heiligen Bimbam zu Tode gesoffen.

Oder ist er weniger als gesetzliche Norm und mehr als unverbindliche Anregung für Gespräche gemeint?

Wie dem auch sei; die mächtigste Sucht, die unheilbarste auch, und v.a. die schönste ist immer noch die Sucht nach Nahrung. Ihrer Befriedigung haben wir uns im Projekt Habakuk verschrieben.

Denn, so hat unsere SWOT-Analyse ergeben: mittel- und langfristig ist weder eine extremistisch-fundamentalistische Präventionskampagne des BAG gegen das Essen an sich, noch eine terroristische Volksinitiative fanatischer Lobbyorganisationen gegen das Essen in geschlossenen Räumen zu erwarten.

Womit wir allerdings rechnen: dass dem Essen von Produkten tierischen Ursprungs in Zukunft ein noch steiferer Wind entgegenbläst als jetzt schon. Das verbuchen wir bei Projekt Habakuk aber nicht unter „Threats„, sondern unter „Opportunities„.

Die Wirtsleute, die es andersherum machen, schreiben dann in ein paar Jahren Leitartikel über die abscheulich unliberale Hetze gegen den Fleisch-, Milch- und Eierkonsum. Wie heute mit der Tabakindustrie schieben sie sich dann mit der Nutztierindustrie gegenseitig den schwarzen Peter zu und fordern einander auf: „Sei ein Mann, rauche Stumpen / iss Fleisch / trink Milch!“.

Alle werden sie sich an ihr altes Geschäftsmodell klammern, so lange es geht. Und es wird recht lange gehen. 100 Jahre. Überdauert die Sintflut. Ein Geschäftsmodell für die Ewigkeit.

Es sei denn, es kauft ihnen niemand mehr ab. Wie die Theke im Gasthof zum heiligen Bimbam. Die hält zwar ewig, ist aber so hässlich, dass nur Betrunkene ihren Anblick ertragen. Nüchtern betrachtet hat diese Theke keine Zukunft. Und auch das Panzerglas nicht. Weg mit dem Zeug!

Im Habakuk wird es auch Alkohol geben. Und wer eine Zigi rauchen will, oder muss, oder einen Stumpen, kann das draussen an der frischen Luft tun. Und wenn ich grad Pause mache, komme ich mit raus und gebe Feuer. Bei Windstille können wir versuchen, Rauchringe zu blasen. Und vielleicht philosophieren wir dann auch ein bisschen über den Sinn und Unsinn des Tabakrauchverbots in geschlossenen Räumen.

Oder über das Für und Wider des Veganismus. Oder über die verschiedenen Definitionen von „Sucht“ und die verschiedenen Stufen von „betrunken“. Oder über die Sterne, und warum sie nicht stillstehen. Oder über den Zweck der Vergangenheit. Über die diesjährige Kartoffelernte. Den Anteil Birnensaft im Apfelmost. So Zeug.

4 Antworten auf „Auf der Suche, Teil 2“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.